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Bindungsgerechtigkeit

Wie es zu diesem Thema kam

Als Vorstand eines Jugendhilfeträgers bin ich indirekt, also auf der Ebene der Information, stetig auch mit Ereignissen konfrontiert, die emotional berühren. Kinder, Jugendliche und Familien befinden sich in Situationen, von denen ich mir wünsche, es würde sie nicht geben. Doch sie sind nicht zu leugnen, weshalb es ohne Wenn und Aber notwendig ist, dass es Organisationen gibt, in denen sich den betroffenen Menschen angenommen wird. 
Ein Ereignis, das sicherlich zu den Krassesten gehört, ist die Inobhutnahme. Also jene Situation, in der davon ausgegangen wird, dass ein Kind so bedroht ist, dass es aus der Familie rausgenommen werden muss. In sozialer Perspektive ist eine solche Kindsentnahme mit einem chirurgischen Eingriff vergleichbar. 
An einem Arbeitstag erlebte ich nun, dass mir zunächst davon berichtet wurde, dass ein Mitarbeiter Vater geworden sei. Alle, die diesen Mitarbeiter kennen, waren in Hochstimmung - mich eingeschlossen. Denn dieser Kollege ist eine, wie gesagt wird, Seele von einem Menschen. So galt die Freude nicht ausschließlich den Eltern, sondern auch dem Kind, weil klar war, in was für ein liebevolles Umfeld es hineingeboren wurde. 
Wenig später an diesem Tag wurde ich über eine Inobhutnahme eines Kindes informiert, die direkt im Kreißsaal stattgefunden hatte. Diese Konfrontation zweier Ereignisse im selben Zeitraum war es, die mich zum Begriff der Bindungsgerechtigkeit geführt hat. Denn ich empfand und empfinde es als eine himmelschreiende Ungerechtigkeit, wie unterschiedlich zwei Leben am selben Tag beginnen können. 

Der Begriff Bindungsgerechtigkeit begleitet mich seit jenen Tagen. Inzwischen habe ich viele Menschen damit konfrontiert und viele Facetten kennen gelernt, was bei der Idee, Bindung ethisch, also als Gerechtigkeit zu fassen, alles berücksichtigt werden muss. Deshalb wollen wir mit der Ev. Stiftung Dialog für innovative Kinder- und Jugendhilfe, ganz ähnlich wie bei unserem Buch „Gemeinsam unterm Regenbogen“, wieder viele Menschen aus dem Diakonieverbund Schweicheln und darüber hinaus zusammenbringen, um gemeinsam darüber nachzudenken und aufzuschreiben, wie aus der Idee einer Bindungsgerechtigkeit gelebte Praxis werden kann. 

Ein solches Verfahren ist sehr Aufwendig und auch kostenintensiv. Deshalb freuen wir uns über jede Spende, die uns auf dem Weg zur Bindungsgerechtigkeit weiterbringt.

Prof. Dr. Frank Dieckbreder 
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